
Am 25. 09.2025 wurde im Rat der Stadt Leer die Umbenennung der Hindenburgstraße beschlossen. Als neuen Namen schlägt die Fraktion der Grünen den Namen Geschwister-Scholl-Straße vor.
Die Geschwister Hans und Sophie Scholl waren Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, die es wagte, die verbrecherische Politik Adolf Hitlers in Flugblättern anzuklagen. Sie bezahlten dafür mit ihrem Leben. Sie sind Symbolfiguren des zivilen Widerstands gegen die Hitler-Diktatur.
1933 hatte Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannt. Die Naziherrschaft hatte direkt in den Krieg geführt. Der Vernichtungskrieg der Nazis hatte die Wehrmacht im Winter 1942/43 bis nach Stalingrad geführt. Die Weiße Rose versuchte, mit Flugblättern Menschen gegen diesen verbrecherischen Krieg Hitlers aufzurütteln. 10 Jahre nach der Machtübergabe an Hitler, genau am 22. Februar 1943, wurden der 24 Jahre alte Hans Scholl, die 21 Jahre alte Sophie Scholl und der 23 Jahre alte Christoph Probst „wegen Vorbereitung zum Hochverrat und wegen Feindbegünstigung“ zum Tod verurteilt und noch am gleichen Tag mit der Guillotine hingerichtet.
Am Anfang steht 1933 die Machtübergabe an Hitler, am Ende steht die Schreckensherrschaft der Nazis und Millionen Tote des 2. Weltkriegs. Der bisherige Name der Straße, die Umbenennung und die neue Namensgebung nach den Geschwistern Scholl stehen so in einem direkten Zusammenhang.
Die Lebenswege von Sophie und Hans Scholl führten nicht gradlinig in den Widerstand, sie gehörten nicht von Anfang an zu den Gegnern des NS-Regimes. Hans Scholl war während seiner Gymnasialzeit in Ulm ein Anhänger der NSDAP. Im März 1933 trat er in die Hitler-Jugend (HJ) ein und wurde gegen den Willen seiner liberal-protestantischen Eltern „Fähnlein-Führer“. Auch seine Schwester Sophie glaubte in ihrer Schulzeit an den Nationalsozialismus, trat 1934 dem „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) bei und stieg zur Gruppenleiterin auf.
Auch Dietrich Bonhoeffer als Namensgeber denkbar
Gerade in der Auseinandersetzung mit dieser Widersprüchlichkeit wird das Alltagsleben in der Diktatur nachvollziehbar und es kann überlegt und diskutiert werden, wie sich Widerstand entwickeln kann. Für heutige Schülerinnen und Schüler kann dies dann über die Person Sophie Scholl geschehen.
Noch im Jahre 1943 wurden auch die anderen Mitglieder der Weißen Rose, Alexander Schmorell, Kurt Huber und Willi Graf wegen dem „schwersten Fall hochverräterischer Flugpropaganda“ hingerichtet.
Auch in Dietrich Bonhoeffer sieht unsere Fraktion einen neuen Namensgeber für die Hindenburgstraße.